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Sonntag    29.10.2018    Douz --->  Camp Zmela  ca. 160km

Wir starten 8 Uhr am Kamelstadion.
               

Wir lassen ordentlich Luft ab. Das erste Stück bis Camp Mars läuft recht gut, ohne Eingraben. Doch dann wird es immer schwerer, der Sand tiefer, die Spuren verlaufen sich. Wir fahren uns immer wieder fest, es ist mittlerweile mittagsheiß, die Zeit vergeht rasend schnell und wir überlegen, ob wir lieber zurück fahren und den langen Weg außen um den Sand herum nehmen.

           

Die Dünen werden immer höher, das Gelände steigt an und nirgendwo die Möglichkeit zum Schwung nehmen. Den Luftdruck in den Reifen haben wir schon bis an das Minimum ausgereizt. Unsere Lage wird immer aussichtsloser, Sebastian muss jede noch so kurze mögliche Wegführung vorher ablaufen, ich bin ihm leider dieses Mal keine Hilfe, weil quasi außer Gefecht gesetzt. Das Ganze kostet jedes Mal viel zu viele wertvolle Minuten. Das Exit ist nur noch 8-9km entfernt….leider Luftlinie und wir haben nur noch eine verdammte halbe Stunde Zeit…..an dieser Etappe werden wir wohl scheitern.

                                                                                                 

Als wir gerade über unser Elend und das weitere Vorgehen sinnieren, hören wir Motorengeräusche. Sollte das etwa schon der Berger sein? Andere Teilnehmer eher nicht, wir sind ja als Letzte gestartet und haben kein Fahrzeug überholt. Wir schauen uns um, sehen aber Nichts und Niemanden. Je nachdem, wie der Wind weht, wie hoch die Dünen sind, verschluckt die Landschaft alle Geräusche. Plötzlich ist es wieder da, ein Motor heult auf, dann ist wieder Stille. Diesmal kann man die Richtung lokalisieren, wir schauen nach. Und da steckt der Mercedes G bis zum Bauch im Sand. Na sowas, wo kommen denn die beiden her? Sie schaufeln keine 50m von uns entfernt. Im Normalfalle würden wir  jetzt ordentlich Gummi geben….aber hier, heute, in dieser Situation? Wir unternehmen noch einen kläglichen Versuch….und noch einen. Auch noch einen Dritten. Immer wieder sanden wir ein, nach nur wenigen Metern Fahrt. Die kurzen, treppenartig angewehten Dünen lassen einfach keinen Schwung zu, den wir so dringend bräuchten. Keine Chance.

Auch Hubert und Werner wühlen sich immer wieder tief in den Sand. Das Fahrzeug ist um einiges schwerer als unser „Fliegengewicht“. Weder wir noch der G gewinnen nennenswerten Abstand zum Anderen. Als wir uns gegenseitig nur noch schnaufen hören, beschließen wir, es gemeinsam zu versuchen. Doch auch das bringt nichts…..wir verabschieden uns gedanklich vom Exit.
 
                                                          

Während ich mit dieser Erkenntnis hadere und meinen Ärger versuche zu verbergen, tun die Männer, was echte Männer halt so tun. Sie überlegen gemeinsam, wie weiter zu verfahren sei. Der im Roadbook vorgegebene Weg scheidet aus. Aber wo entlang fahren, um nicht wieder in so einem Dünenfeld zu landen? Sie beschließen, weiter links zu versuchen im Tal zwischen den beiden Dünenstreifen den Tembain zu erreichen. Und damit auch den Schotter. Klingt einfach, ist es aber nicht.

               

Man glaubt gar nicht, wieviel Ärger diese eigentlich flachen, aber dafür sehr breiten Sandfelder machen können. Wir kommen nicht in Fluß, das Ablaufen der Strecke zu Fuß bleibt essenziell. Gefühlt verbringen wir in Sichtweite des Tembain Stunden, bis wir endlich einen schmalen Durchstieg zu fahrbarem Terrain erreichen. Im weiteren Verlauf , in Richtung Antilopengehege, queren wir noch zwei weitere, relativ gut fahrbare  Sandfelder. Langsam beruhigen wir uns wieder, der Adrenalinspiegel sinkt, kleine Scherze werden gemacht. Wir beschließen, ein Selbstauslöserfoto von unserer Schiksals- und Leidensgemeinschaft zu schießen. Hubert kann die Pause auch gebrauchen, er schwitzt ordentlich. Aber auch sein G Puch verliert Öl an Motor und Getriebe. Weiter geht es, als Nächstes winkt der unsäglich öde Weg um den Park. Wir überlegen, ob wir unterhalb des Parkes eventuell einen Durchstieg in Richtung Oase finden könnten, um so ein gutes Stück Langeweile abzukürzen. Doch an der geplanten Stelle fängt uns die Mannschaft der Funkbrücke ab und wir müssen umkehren und uns dem Elend ergeben. Vom Rest der Fahrt gibt es wenig zu erzählen. Ein paar Kilometer vor Camp Zmela erwachen langsam unsere Wettkampfgeister wieder und wir lassen es ordentlich fliegen. Bringt uns zwar ohne gestempeltes Exit nix, aber wir erreichen quasi noch pünktlich das Ziel. Wir sind ganz schön geschafft, sowohl im Kopf als auch körperlich hat der Tag einiges von uns abverlangt. Ich bin noch dazu ziemlich enttäuscht und kann das leider auch kaum verbergen. Selbst die aufmunternden Worte der Anderen vermögen meine dunkle Stimmung kaum zu vertreiben.

Etwas Abwechslung verschafft uns da die für uns neue Lokalität....Zmela. Ein kleines, feines und sehr aufgeräumtes Zeltdörfchen ohne eigene Wasserversorgung. Alle Flüssigkeiten, die in irgendener Form im Camp gebraucht werden, sei es in der Gastlichkeit oder den Toiletten und Waschräumen, muß von außerhalb herbeigeschafft werden. Was für ein Akt!
(...ich muß wirklich ganz schön am Limit gewesen sein, ich hab nicht mal Bilder gemacht.....weder vom Ziel, noch vom Camp, noch vom Zelt.....)

Wir finden gerade noch ein freies Berberzelt, das wir auch gleich mit unseren Schlafsäcken als besetzt markieren. Sebastian checkt noch den braven Niva und wer ahnt es......bastelt wieder irgendwelche Buchsenprovisorien. Das Abendessen ist so richtig lecker und danach übermannt uns auch schon sehr schnell, sehr tiefer Schlaf und wir träumen von heldenhaften Taten im heißen Wüstensand....Seite an Seite mit Hubert und Werner.....;o)

                                                                                         


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