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Montag   23.10.2017

Circa halb acht, gleich nach dem Frühstück fahren wir los auf die erste Etappe nach Douz…..noch bevor der Start- und Zielbogen aufgestellt ist. Es geht schnell raus aus der Stadt und dann beginnt wieder die Langeweile. Deshalb darf ich auch fahren. Schließlich wurde mir das zur letzten Rallye versprochen. Und da ich mir dieses Mal nix gebrochen habe….sitze ich nun auf dem Sitz, den ich weiter gar nicht vorschieben kann. Gerade so reiche ich mit den Füßen an die Pedale, anschnallen ist quasi unmöglich, weil der Sitz so weit vorn und die Gurtbefestigung so weit hinten ist. Bequem und sicher ist anders, aber auf der Straße wird´s schon gehen. So, und nun einfach rollen lassen…..

                  

Klappt auch gut, ab und zu überholt uns ein Teilnehmer. Eduards Defender beschert uns dabei durch Steinschlag ein defektes Scheinwerferglas. Na prima, noch ein Grund mehr sich zu beeilen, um noch vor Einbruch der Dunkelheit ins Ziel zu kommen.
Nach vielen Stunden Fahrt erreichen wir den Start des Prologes. Dort haben wir noch ein halbes Stündchen Zeit. Wir kochen einen Kaffee, sichern das Scheinwerferglas mit Panzertape und warten auf unseren Start.

       

Ein etwas ungewohntes Bild dann 12:41Uhr am Start: das Bergeteam ist multifunktionell und übernimmt während  dieser Rallye auch die Starteraufgaben. Ganz schön ausgelastet….erst alle Teilnehmer auf den Weg schicken um dann hinter dem Letzen, also uns, her zu zuckeln.  Ganz schön stressig ;o)

       

Also nun geht´s los. 12km breite, schnelle, aber brettharte Piste. Es läuft gut, ab und zu werde ich laut, weil ich das Gefühl habe, der Niva bricht auseinander. Sebastian aber fährt ungefähr doppelt so schnell wie im letzten Jahr. Woher er das Vertrauen in die Technik dieses Mal nimmt….keine Ahnung. Wir kommen noch vor der Rallyequeen und Hubert mit dem Puch an. Wie er die Rallye überstehen will, ist uns ein Rätsel. Er fährt ohne Beifahrer, seine Frau bekam nicht so lange Urlaub. Zwar hat er zum Navigieren einen großen Bildschirm, trotzdem stelle ich mir das fast unmöglich vor. Gerade auf den schnellen Strecken mit viel Navigation hat man als Beifahrer kaum Zeit hochzuschauen…..und dazu noch fahren? Hut ab.
Nun gehen wir die restlichen 150km Wertungsstrecke an. Es fährt sich gut, ganz normale Pisten. Nur, die Zeit rennt….und die Tankanzeige auch. Als wir nach 125km das Exit erreichen, geht das Lämpchen schon lange nicht mehr aus. Wir haben keine Wahl, die letzten Kilometer schaffen wir so nicht mehr. Also nehmen wir Orgahilfe in Anspruch und tanken 10l auf. Das gibt zwar 1h Strafzeit, aber die Alternative ist noch weniger verlockend…..kurz vorm Ziel liegenbleiben und gar nix gewertet bekommen.

                  

Zuversichtlich starten wir in die letzten 25km. Kann ja so schlimm nicht werden. Als dann allerdings der Sand mehr und die Dünen schwerer werden, wird uns klar, warum das Exit so kurz vorm Ziel aufgebaut war. Es will sich keine so rechte Spur finden lassen, obwohl doch hier eine Piste sein müßte. Wir stochern irgendwie rum, versuchen Spuren zu sehen und nun droht doch noch die Dämmerung. Plötzlich laufen wir auf unsere direkten Konkurrenten, die Schweizer mit dem Toyota FJ Cruiser auf. Sie stehen in der Spur und schaufeln. So hoch sind die Dünen hier gar nicht, sollte doch machbar sein, einfach zwei Dünen weiter locker um sie herum zu fahren. Doch Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall und schon stecken auch wir fest. Und das richtig. Die Sandbleche feiern diesjährige Premiere. Doch das Gestochere geht weiter, wir kommen kaum vorwärts, wissen auch gar nicht so richtig, in welche Richtung wir fahren wollen. 

Genau diese Situation galt es eigentlich zu vermeiden: die Zeit wird arg knapp, es ist mittlerweile dunkel, wir leiden an Planlosigkeit, Lichtmangel und der nötige Mut will sich noch nicht einfinden. Wir sind im Übrigen nur noch ca. 3km vom Ziel entfernt. 

Plötzlich sehen wir ein weißes Licht. Ahhhh, der Hoffnungsschimmer! Oder, nee….wart mal, das blinkt. Unwahrscheinlich, dass hier noch ein Teilnehmer im Sande kraucht, aber wir fahren mal besser hin. Und tatsächlich, der KTM-Fahrer aus der Schweiz lungert neben dem Blinklicht im Sand, den traurigen Blick auf sein Motorrad gerichtet, welches ein Stück weiter in einem Dünental steht. Physisch ist alles in Ordnung bei Werner, aber psychisch…..eine Katastrophe. Seine KTM hat irgendwo im Sand den Kupplungsdeckel verloren, die Maschine hin. Am ersten Tag. Da gibt es auch nichts zu helfen, keine Worte die trösten können, nur Bier. Und das hat er ja schon.
Wir lassen ihn also, auf den schon verständigten Berger wartend, in der Dunkelheit zurück und versuchen das Unmögliche…..noch in der Vorgabezeit ins Ziel zu kommen. Wir geben alles, als wir wieder ungefähr einen Plan von der richtigen Richtung haben. Dann sehen wir das Kamelstadion und fahren allen Ernstes in der letzten Minute ins Ziel. Das hätten wir nicht mehr für möglich gehalten und jubeln.

                 

Wir kassieren natürlich Strafzeiten, denn wir haben einen normalen und zwei versteckte Wegpunkte nicht angefahren. Am Hotel in Douz erfahren wir, dass der Toyota FJ Cruiser technische Probleme hat. Bei uns, wie schon erwähnt, hat ein Scheinwerfer ´nen ordentlichen Riss, die Heckverriegelung hat sich irgendwie ausgehangen und die Lichtmaschine läuft wie gehabt nicht ganz rund.
Nach Abendessen und Fahrerbesprechung suchen wir relativ schnell unser Zimmer im Außenbereich auf. Wie fast alle Zimmer in diesem Hotel ist auch das hier mit 5 Betten viel zu überdimensioniert. So schlafen wir aus Protest in nur Einem ;o)

Dienstag  24.10.2017  Douz   -  Ksar Ghilane  245km

Der Start ist 09:09 Uhr, ca. 40km müssen bis dorthin erst noch abgespult werden, also fahren wir wieder eine Stunde eher los. Der Berger startet uns mit motivierenden Worten und uns wird bewusst, dass es im letzten Jahr in diesem weißen Sand doch einige Probleme für uns gab. Den Einstieg in die Dünen finden wir auch dieses Mal recht schnell, und dann sehen wir ebenfalls recht schnell den LIAZ in den Dünen kämpfen. Auch der Ford vom Barth-Racing wühlt ganz schön und nicht viel später stecken auch wir schon fest. Als wir am Bleche legen sind, kommt plötzlich der Landrover, obwohl vor uns gestartet, von hinten gefahren. Sabri steigt aus und redet mit gerunzelter Stirn etwas vom Aufgeben und der immer noch defekten Navigation. Dann fahren sie doch weiter und graben sich noch in unserer Sichtweite richtig heftig ein. Der Berger ist schon in greifbarer Nähe und sie lassen sich kurzerhand rausziehen, sie nehmen die Strafzeiten in Kauf.

                 

Das ist nicht unser Style, wir wollen keine Hilfe. Doch im weiteren Streckenverlauf haben wir wieder Mühe, eine fahrbare Spur zu finden und dabei auch noch die Anweisungen im Roadbook zu befolgen. Wir verzetteln uns, die einprogrammierten Richtungsbefehle machen für uns keinen Sinn mehr, da wir nicht noch tiefer in den Sand wollen. So versuchen wir, in Unkenntnis der Topographie, auf ein Plateau zu gelangen, von dem wir denken, es könnte recht leicht fahrbar dort sein. Wir haben zur Orientierung nun nur eine GPS-Koordinate in weiter Entfernung, sicher sind es noch gut 15km bis dorthin. Wir haben keine Ahnung, wie der Weg  beschaffen ist, jede Entscheidung kann genauso gut falsch wie richtig sein. Es ist brennend heiß, wir kriechen über kleinere und mittlere Dünen und überqueren Sandrosenfelder.

               
Langsam kommen wir dem Punkt näher und nach einem Blick auf die Uhr programmieren wir die Koordinate des Ausstiegspunktes als neues Ziel ein. Etwas anderes macht an dieser Stelle keinen Sinn mehr. Von dort aus kriechen wir endlos durch die scheinbar leere Gegend. Nur hier und da treffen wir ein paar Hirtenfamilien. Im Gegensatz zu den Stadtkindern sind deren Kinder sehr zurückhaltend. Das imponiert uns und Bonbons gehen immer ;o) Die Jungs trauen sich nicht, sie schicken ihre große Schwester zur Übergabe.
Wir erreichen das Exit eine Dreiviertelstunde nach der Vorgabezeit und müssen nun leicht deprimiert den langweiligen und altbekannten Weg um das Antilopengehege zur Oase Ksar Ghilane nehmen.

          

Wir kommen als 5.Teilnehmer ins Ziel, gesamt erreichen wir so den 6. Platz. Wir erfahren, dass andere Teams auch nicht ganz glücklich mit ihrem Tag waren. Einer der Prototypen erreicht das Ziel auf dem Berger und, wie schon erwähnt, laborierte das Team Sabri/Eduard an ihren Navigationsgeräten, genauso wie das Team im Puch.

Apropos Puch: ….eine schöne Geschichte am Rande. Hubert startete ja gestern allein in die Rallye. Nachdem nun leider Werners KTM als nicht reparabel in Douz auf dem Hotelparkplatz zu stehen kam, setzt er sich auf Huberts freien Navigatorenplatz. So ist beiden geholfen…..Hubert kann sich nun auf´s Fahren konzentrieren und Werner muss die Rallye nicht schon am zweiten Tag beenden. Feine Sache!

Bei der Inspektion unseres Wagens dann im Camp, erwarten uns völlig zerbröselte Buchsen der kurzen Längslenker. Dadurch kippt nun die Hinterachse zu weit in Richtung Stoßdämpfer und schlägt dort an. Ersatzbuchsen sind wie im Vorjahr relativ schnell aus Büchsenblech (ein "Hoch" auf die Biertrinker) und Panzertape gewickelt. Sebastian beschließt zusätzlich noch, die Längslenker ein wenig zu biegen, damit sie etwas kürzer werden. Unsere mitgeführten Werkzeuge reichen für diesen Kraftakt nicht aus und so fragt er beim tschechischen LIAZ-Team nach einer Möglichkeit. Die sehr junge Crew ist zwar sehr beschäftigt , lässt uns aber dankenswerterweise an ihren Schraubstock. Das Ergebnis ist einigermaßen zielführend und so wird alles wieder zusammengebaut und sich um die nächste Schwachstelle gekümmert.
 
                                                                                         

Die Sache mit der Lichtmaschine verfolgte uns wieder, die Ladekontrolllampe glimmt auch heute am Ende des Fahrtages. So richtig kann Sebastian die Ursache nicht finden und baut eine provisorische „Erregerspannungsversorgung“. Ich hab bis heute keinen Plan was das ist, aber es klingt sehr technisch und sieht unterhaltsam aus.
Freundlicherweise bietet Eddie uns zusätzlich seine Ersatzbatterie an und wir bunkern sie für den Notfall im Kofferraum. Nach Säuberung des Luftfilters und Tanken sind wir mit dem Service für heute fertig und setzen uns ans gemütliche Lagerfeuer und warten auf das Abendessen.

Mit vollem Magen schreiben wir dann zum Briefing die Änderungen ins morgige Roadbook und schauen uns die Strecke auf dem Navi schon mal an. Es geht ein Stück zum alten Fort und von dort aus ca. 40 Dünenkilometer bis Bir Soltain. Wir entwickeln so etwas wie einen Plan und schlafen dann im Berberzelt ein.
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