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Dienstag 01.11.2016

Der erste Morgen im November ist wie man sich ihn vorstellt….kalt und klamm. Zum Glück sind wir noch in der Wüste und müssen nicht lange warten, bis es wieder warm wird. Wir frühstücken gemütlich, schauen uns noch an, wie das Quellwasser die umliegende Landschaft formt. Das Wasser sucht sich immer neue Wege durch den Sand, bis es irgendwo dann doch versickert. Bis dahin aber entstehen viele kleine, klare Seen, die alle nicht viel tiefer als vielleicht achtzig Zentimeter sind. Reichlich Buschwerk und Schilf wächst an den Ufern, aber man sieht anhand der verdorrten Vegetation auch, wie schnell veränderlich die Position des Wassers ist. Um acht starten wir in die heutige Etappe. Über 150km soll es etwas weiter östlich unserer gestrigen Route wieder zum Parc Jebil, und von dort aus noch einmal durch die Dünen zurück nach El Biben gehen.

Unsere Hinterachse ist erwartungsgemäß wieder krumm. Wir beschließen kein unnötiges Risiko einzugehen und im Troß mit dem Orgafahrzeug und dem lustigen Tunesier zu fahren. Er hat den Chief of racetruck security mit an Bord….was soll also schiefgehen? Zur Not haben wir ja noch den Bergetruck hinter uns. Also ab in den Sand.

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Rainer fährt vorweg und sucht eine für alle günstige Spur. Das macht er auch richtig gut. Die Anstiege sind nicht so steil wie gestern, wir fahren ja in die entgegengesetzte Richtung. Dafür werden die Abfahrten länger, aber stellen kein Problem dar. Schlimmer ist für uns, dass wir die Dünen nun immer von der „harten“ Seite anfahren müssen. So arbeiten wir uns langsam voran, der Berger immer in Sichtweite…..nanu, wo ist er hin? Wir erfahren über den Orgafunk, er hat sich eingegraben. Mist, und wir haben noch seine zweite Schaufel. Schlechtes Gewissen macht sich breit.

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Gegen 10:00Uhr bleibt unsere Gruppe auch abrupt in einer der breiten Senken stehen und begutachtet den leckenden Kühlwasserschlauch des Tunesiers. Der verfällt aber nicht in Panik, denn er hat alles mit, was man für so eine Reperatur im Felde braucht. Wir staunen über die penible Ordnung in seinen Werkzeugkisten. Alle helfen mit ihren Möglichkeiten und so dauert es nicht lange und der Schaden ist behoben. Gleichzeitig schiebt sich der Magirus über die hinter uns liegende hohe Düne. Sie konnten sich allein aus der Patsche helfen.

So kann es nun weitergehen. Zirka eine Stunde später bleibt der LKW wieder zurück. Mit lautem Knall hat sich die rechte obere Blattfeder verabschiedet und ist gebrochen. Hm. Was nun? Wir erleben wieder ein recht gelassenes Bergeteam. Mit einem Stück Hartholz und einem breiten Spanngurt wird das Federpaket notdürftig „geschient“. Da dies wirklich nur ein Notbehelf ist und die Strecke noch eine ganze Weile durch die Dünen führt, beschließen die Berger abzukürzen und geradewegs zum Nationalpark auf die Piste zu fahren. Dort wollen sie den Motorradfahrer, der ja noch immer samt Bike auf der Pritsche sitzt, absetzen und ihn von der Orga abholen lassen. Sie selber wollen nach Douz in eine Werkstatt fahren.  Mit ungutem Gefühl müssen wir den Bergetruck ziehen lassen….jetzt gibt es niemanden mehr, der uns bei Achsbruch aufladen könnte. Aber all die dunklen Gedanken nützen nix, unsere Mitfahrer fahren zuversichtlich weiter. Kein Wunder, wenn wir sehen, wie der Landcruiser auf seinen großen Rädern und mit seiner enormen Bodenfreiheit über die Dünen klettert. Und wie gesagt, er findet fast immer die beste Spur für alle.

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Nur fährt er die Dünen meist schräg an, was bei uns zum häufigen Aufsitzen führt, da wir ja durch die Hinterachse gehandicapt, nicht so schwungvoll fahren können. Wie oft wir dadurch aussteigen und schaufeln müssen, wird keiner gezählt haben. Später am Tage wissen wir dann schon beim Aufsitzen instinktiv, ob wir die Schaufeln überhaupt brauchen, oder ob wir den Niva zu dritt über die Kante wippen können. Das spart Zeit. Die wird wie immer knapp. Jeder gräbt sich mal ein, jeder hilft jedem, wir lernen wieder viel über die Tücken des Sandes.

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Irgendwann haben wir es dann doch geschafft und lassen die Dünen hinter uns. Kurz vorm vereinbarten Treffpunkt mit der Orga denkt sich unser Niva noch ein neues Geräusch aus. Wir haben die Helme auf und versuchen es so gut es geht zu ignorieren, doch das funktioniert leider nicht auf Dauer. Sebastian macht einen gebrochenen Bolzen des hinteren Längslenkers als Spielverderber aus. Vorsichtig kriechen wir die endlosen 15km bis zum Park hinter den anderen her. Wir einigen uns im Auto schon darauf, dass die Orga nicht auf uns warten muß und wir alleine den altbekannten Weg  ums Antilopengehege zur Oase fahren. Schließlich wird es bald wieder dunkel und wir müssen ja niemanden länger als nötig für uns beanspruchen.

Großes Hallo am Exit, wir sollen ruhig schon losfahren, da wir so langsam sind, wird uns die Orga eh schnell einholen. Zuvor aber suchen wir noch nach einer Möglichkeit, den abgerissenen Bolzen zu ersetzen. Hier erweist sich der viele Müll ausnahmsweise einmal als Rettungsanker. Zwischen alten Plastikstühlen, entsorgtem Kochgeschirr und alten Schuhen finde ich ein abgewinkeltes Stück Armierungsstahl, der in das Loch passt und den Längslenker wieder einigermaßen fixiert. Mit ein wenig Draht wird er noch gesichert und so machen wir uns auf den restlichen Weg. Wir sind recht flott unterwegs, schauen immerzu in den Rückspiegel, denn die anderen müssten uns längst eingeholt haben. Es wird dunkel, wie immer nicht grad angenehm, aber wir kennen ja mittlerweile den Weg.

Halb acht, gerade rechtzeitig zum Abendessen erreichen wir die Oase, und werden mit großem Applaus im Speisesaal empfangen. Das ist ein schönes Gefühl…..zwar mit etwas Hilfe, aber wir haben es tatsächlich geschafft und waren am See-als einzigstes Auto. Wir können es noch gar nicht recht fassen, erst jetzt durch die vielen Fragen der anderen wird uns bewußt, wie hart die beiden Tage waren. Und ich bin mächtig stolz auf Sebastian und den Niva….und letztlich auch auf mich ;o) Aber noch ist der Abend nicht vorbei und wollen wir morgen wieder mitfahren, müßen wir noch die beiden Männer vom technischen Service aktivieren und animieren, uns unsere Hinterachse zu richten. Im Schein der Lampen und bei einem kühlen Radler gingen sie ans Werk.

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Und das ging so: Vom MAN borgten sie sich die Abschleppstange und gruben sie bündig zur Oberfläche im Sand ein. Sebastian sollte nun den Niva mit den Hinterrädern auf die Stange manövrieren. Dann wurde die Hinterachse neben ihrem Knick durch kräftige Spanngurte mit der Abschleppstange verbunden. Das sie jeweils 50m lang waren erschwerte das Einfädeln etwas, tat aber eigentlich nix zur Sache. Ein Brett unter die Hinterachse, darauf ein LKW-Stempelheber….ein paar kräftige Hübe und schon war die Achse wieder gerade. Ohne auszubauen und in Rekordzeit von einer dreiviertel Stunde. Starkes Stück….nun bloß nicht mehr über die Aktion in der Douzer Werksatt nachdenken.

Der restliche Abend klang nach dem Tanken bei angenehmer Plauderei aus. Morgen verabschieden wir uns von der Oase und leider auch von den Dünen…..

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