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Sonntag 30.10.2016

Wir sind also wieder im Rennen.
Insgesamt sind heute 320km zu fahren. Die ersten 50km auf Asphalt führen durch Städtchen, Dörfer und kleine Palmenplantagen. Wir kommen nur langsam voran, teilweise ist die Geschwindigkeit durch das Roadbook auf 30km/h beschränkt. Wie meinte Jörg: „…wenn wir schon durch ihre Vorgärten fahren….“

40% Sand erwarten uns an diesem Tag, der Dünendurchstieg durch die berüchtigten weißen Dünen von El Faouar erweist sich dabei als sehr anspruchsvoll. Unglaublich, wie weich und fein dieser Sand ist. Der Wagen, der vor uns gestartet ist, steht plötzlich in der Idealspur und wir müssen ausweichen. Aber einen neuen Weg zu finden, ist in diesem unberechenbaren Terrain unheimlich schwierig. Es fehlt hier an Möglichkeiten Schwung zu holen, jedes bischen Geschwindigkeit wird vom Sand sofort aufgefressen.

So fahren wir uns also ordentlich fest. Richtig ordentlich. Es geht nicht vorwärts, nicht zurück….immer nur weiter nach unten. Die Frage, warum der Sand hier eigentlich so weiß ist, wird uninteressant. Ein paar Dünen hinter uns, hat sich der BMW-Fahrer, nun auch in Wertung, ebenfalls an die Arbeit gemacht, seine Maschine auszugraben. Wir sehen ihn zwar nicht, aber sein erfahrener Motorradbegleiter von der Orga berichtet uns von seinen Versuchen. Einschreiten will er noch nicht, der BMW-Fahrer hat Ehrgeiz und möchte es ohne Hilfe versuchen. So steht Eddie nun wie ein Leuchtturm auf der hohen Düne zwischen eingegrabenem Motorrad und eingegrabenem Niva und spart nicht mit wertvollen mündlichen Tipps. Hilft er uns tätlich, gilt das als Orgahilfe und gibt Strafzeiten.

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Bestimmt eine halbe Stunde brauchen wir, um uns aus diesem einen Loch zu befreien. Vorher mußte allerdings schon die weitere Spur feststehen, sonst gab es keine Chance das nächste Dünental zu schaffen. Kurz vorm Verzweifeln funktionieren Sebastians Sinne offensichtlich am besten und so schafften wir es tatsächlich ohne die Hilfe vom Bergetruck durch diesen harten Abschnitt. Der kam uns ein paar hundert Meter weiter mit dem Motorradfahrer auf der Pritsche entgegen. Die KTM zeigte keine Leistung mehr. Später wurde wohl eine vom Sand klemmende Drosselklappe als Übeltäter ausgemacht und er konnte wenigstens auf Asphalt ins Ziel fahren.

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Der Rest der Dünen war zwar langsam, aber einigermaßen gut zu schaffen. Einen ungewollten Höhepunkt gab es dann noch in der Ebene, als ein kleines Stück eines trockengefallenen Salzsees durchfahren werden mußte. Wir konnten zwar gut die Spuren der Vorausgefahrenen erkennen. Da es sich in den Spuren aber schlechter als gehofft fahren ließ, dachten wir, es sei eine gute Idee direkt daneben eine neue Spur einzufahren. Doch der feuchte, irgendwie unbeschreibliche Boden schluckte jede Vorwärtsbewegung in kurzer Zeit. Schon in den unteren Gängen fahrend, wechselten wir hektisch wieder in die Spurrinnen ….doch ausgerechnet da war die Spur tief eingegraben. (Wie wir später erfuhren, hat sich dort der MAN-Kat auch recht gequält) und bremste uns zusätzlich ab. So versuchten wir mit einem ständigen Wechsel zwischen eigener und der vorgegebenen Spur irgendwie den Niva auf Schwung zu bringen, ohne dass uns der Vortrieb ganz verloren ging. Die Vorstellung, dort steckenzubleiben löste schon eine leichte Panik aus. Zum Glück endete diese Passage bald wieder, uns kam es jedoch fast länger als der vorausgehende Dünendurchstieg vor.

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Ansonsten fuhren wir wieder jeden geforderten GPS-Punkt an, das kostete Zeit. Und obwohl wir wieder erst 2 Stunden nach Timeout am Exit ankamen, waren wir zufrieden mit uns und dem Niva. Hatten wir doch, obwohl ein Ohr immer an der Hinterachse, den vielen Sand dieses Tages selbstständig durchfahren. Jedenfalls gab der vergangene Fahrtag genügend Erlebnisse her, um daraus auf den letzten, eigentlich langweiligen 80km Piste ausreichend Gesprächsstoff zu stricken.

Wir leisteten uns noch einen Abstecher zum verfallenen Fort und fuhren dann erst zum Camp. Dort bekamen wir wieder die Roadbücher für den nächsten Tag. Schon bemerkenswert, mit welcher Geduld das zuständige Orgateam auf die Ankunft der letzten Teilnehmer wartet, meist sind wir das, um dann erst, wie hier auch noch im Dunkeln, die Zeiten und Daten auszuwerten und die neuen Startlisten zu drucken. Sebastian führte noch die nötigsten Wartungsarbeiten durch und wunderte sich über die Schleichwege des Sandes.

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Bei einer kurzen Stipvisite durch das Camp El Biben freuten wir uns ersteinmal über den recht aufgeräumten Zustand dieses Oasenteiles. Der überall vorhandene Wartungsstau ließ sich zwar auch hier nicht ganz verbergen, doch wenn wenigstens bei zwei von vier Duschen die Armatur das Aufdrehen überlebt und dann auch noch ein paar Tropfen Wasser aus dem Duschkopf rinnen….was will man nach so einem Tag eigentlich mehr?

Einschub:…und überhaupt wird uns, obwohl wir auch in Deutschland nicht grad verschwenderisch leben, hier bewußt, wie wenig man eigentlich bräuchte, um zufrieden zu sein. Andererseits verstehen wir nicht so recht, wieso hier scheinbar so wenig Sinn für das Erhalten der vorhandenen Werte zu finden ist. Vielleicht ist das aber auch zu kurz und zu überheblich gedacht, wenn man nicht selber in diesem Umfeld leben muß, sondern nur zum Spaß hierher fahren darf….

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Dann suchen wir wie jeden Abend im Camp, die beiden Tunesier auf, die für die Vorhaltung und Ausgabe unseres Kraftstoffes sorgen. Das ist jedes Mal das Selbe und jedes Mal wieder sehenswert:

Auf dem Laster oder in langer Reihe auf dem Boden, stehen unzählige Kanister jeder Bauart, Farbe und jeden Alters. Nachdem ca. 5mal die Frage nach dem gewünschten Sprit mit „Sans Plomb“ beantwortet wird, kann es doch noch nicht losgehen. Jetzt muß  geklärt werden, wieviel Liter benötigt oder gewünscht sind, um den richtigen Kanister auszuwählen. So, nun geht es aber los. Die Zapfsäule, also das Dreibein mit in ca.1,30m Höhe befestigtem Gefäß wird herbeigeholt. Der Gefäßboden ist mit einem durchsichtigen Schlauch zum Befüllen des Wagens ausgestattet. Das Gefäß selber mit einem Tuch, das als Sieb fungiert ausgekleidet. Sprit oben rein, durch den Schlauch mit Hahn in den Tank. Das ganze Prozedere gerät etwas ins Stocken, wenn die gewünschte Menge Benzin etwas krumm ist, also zum Beispiel 35 Liter. Dann wir um-und hin-und hergefüllt, bis es passt, oder bis der Sprit überläuft und unsere Baumarktfarbe auflöst. (und nein, wir machen das nicht, um den Tankwart zu ärgern, wir haben wirklich so einen kleinen Tank und sind auf jeden Liter angewiesen). Aber auch das meistern die Beiden. Dann kommt der Moment, in dem die zweite Person von Nöten ist. Denn wenn der Höhenunterschied zwischen Behälter und Tank für das Fließen durch den Schlauch nicht mehr gegeben ist, muß das gesamte Gestell hochgehoben werden, um den Rest des Benzines in den Tank zu leiten. Den Job macht immer der kleine Schmächtige. Wunderbar, merci, nur noch unterschreiben auf der wirklich penibel geführten Liste. 

So sind wir startklar für´s nächste Abenteuer und können beruhigt das obligatorische Abendradler genießen. Zu Bett gehen wir heute nicht im eigenen Zelt, wir haben unsere Schlafsäcke in eines der vielen Berberzelte geschmissen. Jeweils vier Holzliegen pro Zelt, sogar frische Bettwäsche liegt bereit. Dauert auch nicht lange, bis sich die Nase an den muffigen Geruch gewöhnt hat. Der Schlaf ist sehr erholsam.

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