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Donnerstag 27.10.2016

Der Schlaf im Zelt hat die Schmerzen nicht verschwinden lassen. Im Gegenteil, nun strahlen sie auch noch in den Oberschenkel aus. Wenn Sebastian schon freiwillig einen Arzt aufsucht, heißt das nichts Gutes…..aber leider ist der Medizinmann schon unterwegs. Ein paar uralte Schmerztabletten als Placebo habe ich für den Notfall zwar auch immer einstecken. Aber eben in der Waschtasche….finde den Fehler :o( 

Der verschollene Mercedes ist mittlerweile zwar gefunden, aber noch nicht geborgen. Das Team ist fahrunfähig wegen Schaden am Mitteldiff. Sie selber sind also glücklicherweise wohlauf. Das erklärt aber noch nicht das Ausbleiben des technischen Hilferufes. Die Antwort ist so simpel wie unglaublich…..eine unbemerkt durchgebrannte Sicherung hat das Gerät stillgelegt. Wir, die wir so sorglos ohne Not darüber nachdenken, meinen, man hätte ja bemerken müssen, dass da am Explona kein einziges Kontrolllämpchen blinzelt. Aber was, wenn man selber in so einer Situation ist?

Gut, zurück zur Challenge. Der geplante Streckenverlauf für heute hatte eigentlich wieder einen 180km langen Rundkurs um die Oase mit Ende wieder in Ksar Ghilane vorgesehen. Jörg ändert das und läßt das Roadbook im Camp Zmela enden…..also Zelt abbauen, alles ins Auto und ab durch die Dünen. Vier Stunden nach dem Start, also gegen 12:00Uhr, haben wir unsere Maximalzeit bis zum Exit schon um eine halbe Stunde überschritten. Es ist brennend heiß. Gefühlt haben wir uns bis dahin bereits 20 mal eingegraben, ausgegraben, geblecht und sind die doppelte Strecke zu Fuß abgelaufen, um den für den Niva günstigsten Weg durch den weichen Sand zu finden. Wir machen eine Pause und beratschlagen. Sebastian würde am liebsten auf unserer Spur zurückfahren, denn ein Blick unters Auto verheißt nichts Gutes. Ich bin unvernünftiger und will weiter. Das Bergeteam zu rufen, kommt immernoch nicht in Frage.

07spurheck     07kamelgras

Da es sich nicht wirklich etwas nimmt, ob wir nun vor- oder zurückfahren, beschließen wir, irgendwie den Dünengürtel hinter uns zu bringen und auf der Ebene am Antilopengehege auszusteigen. 15.00Uhr sind wir dann zwar das einzige Autoteam, dass sich bis zum verlassenen Café durchgekämpft hat, aber das ist kein wirklicher Trost für die verbogene Hinterachse. Nun wird auch mir klar, dass es keinen Sinn macht, überhaupt noch bis zum Exit zu fahren….die Lage ist wirklich ernst.

07Drot     07cafe

Rüdiger , der KTM-Fahrer sitzt schon ein Weilchen im Schatten der zugemüllten Hütte. Er hat den Hilfebutton gedrückt und wartet nun auf den Orgawagen. Wir haben unseren halben Hausrat mit und so können wir uns die Wartezeit wenigstens mit frisch gebrühtem Kaffee erleichtern.

Einschub:  Apropos Hausrat…..wir stellten ja schon beim Packen zu Hause fest, dass der Niva arg in den Federn hängt. An dieser Stelle kann man nun mal ehrlich sagen, uns erschienen die 300€ für den 14-tägigen Transport der großen Alukiste damals am heimischen Küchentisch einfach unnötig. Was packst du da auch rein? Alles, was drin und unerreichbar auf dem LKW ist, brauchst du mit hoher Wahrscheinlichkeit auf der Strecke. Wir haben uns also dafür entschieden, alles mitzuschleppen und waren somit eindeutig zu schwer. Ein Fehler. Denn das war nur einer von mehreren festgestellten Gründen für die misslungene Performance des Lada in den höheren Dünen. Gegen den Rausschmiss des Rucksackes mit Kaffee und Kocher würde ich mich allerdings immer wieder mit Händen und Füßen wehren….dann lieber die Waschtasche ;o)

Einschub2:  Apropos Waschtasche…..hatte ich schon erwähnt, wie toll so eine Rallyegemeinschaft zusammen agiert? Hinter vorgehaltener Hand  fragte ich am zweiten Tag ohne Hygienebeutel die Navigatorin vom Team Seitz, ob sie gaaanz zufällig noch eine Ersatzzahnbürste….der Satz war noch gar nicht beendet, da streckten sich von allen Seiten Hände mit Duschgel, Zahncremé, Bodylotion, Duschgel, Shampoo und sogar zwei nagelneuen Zahnbürsten entgegen….pff, da können die in Madhia die Waschtasche gerne behalten ;o)

Wo waren wir stehengeblieben? Ach ja, beim frischen Kaffee am verlassenen Café. Während der Wartezeit wägten wir ab, nein, eigentlich gab es nix abzuwägen…..die einzig vernünftige Entscheidung in diesem Moment war die, einen Tag in Wertung einzubüßen, dem Rallyetroß vorauszufahren und in Douz, wo planmäßig am nächsten Tag das Ziel ist, nach einer Werkstatt zu suchen, um die Achse wieder richten zu lassen.

So machen wir es dann auch, wir erfragen uns noch den Name des Hotels und fahren dann vorsichtig auf ewiger Piste um den Parc Jebil herum und auf die Touristenstrecke Richtung Douz. Während wir am Zaun des Parc entlangfahren, fragen wir uns, ob es dort überhaupt noch Antilopen gibt, denn der Zaun ist so löchrig wie unser Niva es mal war. Für Gesprächsstoff sorgt auch die Erzählung von Wolfi, dass einer der modifizierten Wagen mehrmals geborgen werden mußte und dabei seine Bergeösen eingebüßt hat. Dürfte ja für die Virtuosen am Schweißgerät kein Problem sein, macht uns aber wieder bewusst, dass wir unsere Ösen nicht wie eigentlich geplant verstärkt haben. Ein weiteres Team, das des tschechischen Buggys ist seit gestern ebenfalls vorerst raus. Ausgebrochene Zähne des Getriebes.

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Am Nachmittag kommen wir in Douz an, unterwegs suchen wir noch die empfohlene Werkstatt auf, um einen Termin für den nächste Morgen festzumachen. Da keiner weiß, wie lange die Reparatur dauern wird und wir den Wagen keinesfalls allein lassen wollen, erscheint uns das als der beste Weg. Das Hotel „OFFRA“ ist nach einigem Nachfragen auch endlich gefunden. Die vielen verlassenen Hotels im Touristenviertel machen traurig, das Land ist doch sehr auf den Tourismus angewiesen.

Wir buchen ein Zimmer in dem recht neuen Hotel. Nach Pool ist uns nicht zumute, so schauen wir auf dem Hotelparkplatz bei dem Buggyteam vorbei. Sie waren schon vor uns in Douz und warten nun auf ein Austauschgetriebe, dass mit dem Flieger kommen soll. In Ksar Ghilane hatten sie schon akribisch das defekte Getriebe auseinandergenommen, jedes einzelne Teil gereinigt und alles fotodokumentiert. So stehen sie nun auch nicht besser da als wir, nur unterscheiden sich die Dimensionen etwas….

07Dnpp    07dbuggypp


Freitag 28.10.2016

Während sich der gesamte Rallyetroß heute auf die 400km von Camp Zmela nach Douz macht, steht Sebastian pünktlich 8:00Uhr vor der Werkstatt, die dafür sorgen soll, dass wir nicht hier schon die Rallye abbrechen müßen. Ich bleibe im Hotel und nutze ausgiebig das Wifi. Am späten Vormittag trudeln die ersten Orgafahrzeuge ein und kurz darauf kommt auch Sebastian aus der Stadt. Tief enttäuscht berichtet er von einer Hammer-und-Meißel-Orgie und No-Problem-Mentalität in der runtergekommenen und völlig zugemüllten Werkstatt. Preisgeschacher mit Hinweis auf den arbeitsfreien Freitag. Der Mann mit der Presse, der angeblich nun doch nicht da ist und erst wieder mit dem nächsthöheren Gebot auftaucht. Unorthodoxe Arbeitsmethoden werden auch bei uns zu Hause in der Garage praktiziert, aber wenn dann weder Hand noch Fuß zu erkennen ist….so ist Sebastian froh, mit dem Niva aus eigener Kraft wieder zum Hotel fahren zu können und läßt den ursprünglichen Plan, die Achse gleich noch verstärken zu lassen, fallen. Als Martin ihm dann später sagt, er hätte die Achse ohne Ausbau, auf einfachere Methode und in kürzerer Zeit richten können, wird der Unmut über das nerven-und geldraubende Erlebnis mit den tunesischen Schraubern nicht kleiner. Naja, das Lehrgeld ist bezahlt und die Achse wenigstens halbwegs wieder gerade. Sicher sind nicht alle Werkstätten so. Wir vertreiben uns den restlichen Abend mit vielen interessanten Gesprächen, Smalltalk und leckerem Abendessen.

07Dsbs     07Dman     07Dberger


Samstag 29.10.2016

Heut ist Ruhetag, Zeit zum Ausschlafen, für Inspektionen und Reparaturen, Stadtbummel oder einfach Pool. Am Niva ist noch zu tun, Sebastian bastelt als Ersatz für die mittlerweile komplett verschlissenen Polyurethanbuchsen Provisorien aus Bierbüchsenblech und Panzertape. Später wird noch die Steckachse mit dem kaputten Radlager gewechselt und wenigstens die mittlerweile auch krummen Federteller abgestützt. Mein dringlicher Wunsch nach Verstärkung der Hinterachse wird abgelehnt, weil es wohl keine sinnvolle Methode auf die Schnelle gibt, denn andere Baugruppen sind im Weg. Der restliche Tag vergeht schnell, wir versuchen zum nahegelegenen Kamelstadion zu laufen, dort soll heute ein Pferderennen stattfinden. Das ist noch nicht im Gange, trotzdem bekommen wir ein paar prächtig geschmückte Tiere samt stolzen Reitern zu sehen. Wir beschließen auf dem Rückweg, mit dem Niva hinters Hotel in die dort beginnenden Dünen zu fahren, um ein paar Fotos vom Wagen in Fahrt zu machen. Während der Wertungsprüfungen ist die Zeit und auch die Muse nicht da für solche Spielereien.

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07reiter     07sbank

Pünktlich mit  Erreichen der ersten Dünen versteckt sich die Sonne hinter dunklen Wolken und ein kühler Wind zieht auf. Na prima. Trotzdem knipsen wir aus allen Perspektiven, später zu Hause wird sich der dunkle Hintergrund als gar nicht so übel erweisen. Langsam wird es ungemütlich aber wir brauchen noch ein paar klassische Sandfontänenbilder. Sebastian gibt alles…und gräbt sich ein. Hm, 500m hinterm Hotel, hoffentlich sieht es keiner. Wir beginnen mit Freischaufeln, plötzlich tauchen hintereinander lärmende Kinder, lautlose Reiter und Mofafahrer auf. Alle wollen natürlich helfen, wir lehnen ab, im Buddeln macht uns mittlerweile eh keiner mehr was vor. Als die unerwünschten Helfer weg sind, wird die Peinlichkeit noch getoppt. Der Servicewagen des tschechischen Buggyteams steht unvermittelt mit Bergegurt neben uns. Mit hängenden Schultern wehren wir uns nicht mehr dagegen und schnell ist der Niva befreit. Eine gegenseitige Schweigevereinbarung wird fix abgelegt und wir beobachten noch eine Weile fasziniert die Proberasereien des mittlerweile auch reparierten Buggys, der mit Heckantrieb durch den Sand fräst, als führe er auf Schienen. Also fast wie wir ;o)

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Zurück am Hotel treffen nach und nach die anderen Teilnehmer ein, manche haben viel zu erzählen und am Abend findet am Pool die Verabschiedung der holländischen Touristentruppe und die Siegerehrung der Powerweekteilnehmer statt. Alle bekommen einen Pokal und lauten Applaus. Die Rallyequeen beendet hier ihr Abenteuer und der schnelle Tatra wird wieder aufgeladen, um seinen Weg nach Südamerika zur Dakar aufzunehmen. Wie lange die anderen in der Nähe der Bar durchhalten wissen wir nicht, uns ruft jedenfalls zeitig das gemütliche Bett.
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