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Montag 24.10.2016

Schon beim Frühstück läuft der Schweiß in Strömen. Seltsam, hatten doch alle erzählt, dass die tunesische Wärme eine angenehmere als bei uns in D ist. Zum Glück sollten sie Recht behalten, die aktuelle Luftfeuchte war wohl dem vielen Niederschlag der letzten Tage geschuldet. Da am Abend die Zeit zu knapp war, besuchen wir vor der Abfahrt schnell noch das Meer. Viel mehr als Füße naß machen ist allerdings nicht drin, denn wir wollen dem Werkstatt- und Transportservice-LKW noch unsere Ersatzantriebswelle mitgeben, bevor wir dann 8:00Uhr vorm Hotel in die 2. Etappe starten. Mit 490km Gesamtdistanz ist diese nicht zu verachten, außerdem liegen Prolog  und die erste Wertungsstrecke vor uns, so dass wir es vorziehen loszufahren, noch bevor das tunesische Filmteam die Kamera aufgebaut hat.

Wir sind gespannt, was uns auf der langen Strecke von Mahdia über El Hamma nach Ksal Ghilane erwarten wird. Die Fahrt gestaltet sich auf den ersten 100km nicht ganz einfach. Dichter Nebel, freilaufende Esel, geschwindigkeitshemmende Asphaltbuckel, verkehrsdichte Strassen und umgekippte Gasflaschenlaster lassen Sebastian ganz schön ins Schwitzen kommen. Das Roadbook stimmt auffallend und so kann ich mich in Ruhe an meinen neuen Job auf Zeit gewöhnen.

Gerade rechtzeitig da, um 12Uhr in den Prolog zu starten, hören wir vom Ausfall des slowenischen Teams in ihrem modifizierten Toyota. Getriebeschaden, noch weit vor der ersten Düne. Sehr ärgerlich so etwas. Dem Schweizer auf seiner BMW erging es später ähnlich, er fuhr sich in der Passage entlang einer Mülldeponie einen Platten.
Der Prolog verläuft problemlos. Nur 11km auf schottriger Piste. In die darauffolgende Wertungsprüfung starten wir als fünftes Team. Die 210km bis Ksar Ghilane ziehen sich, bald sehen wir den ersten Sand, den da jemand neben die Strasse gekippt zu haben scheint. Die Navigation passt immer noch gut und bald wandelt sich die Strasse in Piste und schliesslich fahren wir in sandigen Spurrillen. Kurz vor Sonnenuntergang, den wir eigentlich schon im Camp erleben wollten, erreichen wir den ersten Dünengürtel, den es zu überqueren gilt.

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Kaum fahren wir über den ersten Dünenkamm, sitzen wir auch schon fast fest, denn irgendwie war der Übergang zum Dünenfahren fließend. Zu allem Überfluß hat uns da auch schon der Sweepertruck eingeholt, der ja bekanntlich das Fahrerfeld vor sich hertreibt. Der Druck steigt. Keine 50m von uns entfernt, entdecken wir die tunesische Rallyefahrerin, im Weiteren Rallyequeen genannt, die zusammen mit ihrem Navigator ebenfalls schon die Schaufel schwingt. Ich war schlagartig ernüchtert, dachte ich doch, wenn sich so eine Wüstenfüchsin gleich am Anfang eingräbt….was sollen dann die nächsten Tage noch bringen?

Der Berger fuhr zur Rallyqueen und Sebastian packte der Ehrgeiz. Kann ja auch nicht sein, dass wir gleich am Beginn schon Hilfe brauchen! Er sah sich die Dünen mit reichlich unentspanntem Gesichtsausdruck an…..und fuhr astrein durch die nächste Dünenpassage. Und so kämpften wir uns bis 19:30Uhr durch den Sand, von Düne zu Düne, von GPS-Punkt zu GPS-Punkt. Der Tag war schon lang, die Helme drückten und ich hatte mit einigen Navigationsunsicherheiten meinerseits zu ringen, was die Situation nicht unbedingt entschärfte. Allerdings drifteten wir nie sehr weit vom Kurs ab und fanden immer recht schnell auf die richtige Route zurück und wunderten uns über das tunesische Team,  welches uns mehrfach entgegengefahren kam, um dann wieder mit vollem Caracho weiterzufahren. Vielleicht machte der Navigator auch noch nicht so lange seinen Job….

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Im Dunkeln wurde es immer schwieriger den richtigen Weg zu finden, wir gruben uns kurz vor Roadbookende noch zweimal richtig ein, konnten uns aber mit Sandblechen , Schaufeln und Schnaufen selber befreien…..um dann ganz erstaunt mit großem Jubel am Ziel in Empfang genommen zu werden. Grund war der, dass wir eins von nur zwei Teams waren, die die komplette Strecke mit allen anzusteuernden Wegpunkten gefahren sind. Das hatten nicht nur wir, sondern offenbar auch die anderen uns nicht zugetraut. Ich war mächtig stolz, total knülle und bei Sebastian machten sich auf der Stirn Sorgenfalten breit.

Denn unsere hektische und teils unkontrollierte Fahrt hatte dem Niva schon ziemlich zugesetzt. Die neu verbauten Polyurethanbuchsen rechts schon stark angegeriffen, die Bremsleitung undicht gerieben, die Stoßdämpferaufnahmen vorn verbogen……und wir haben erst eine richtige Etappe hinter, und noch wesentlich Härteres vor uns.

Wir versuchen erstmal abzuschalten, bei reichlichem Abendbrot und den Berichten der anderen Rallyeteilnehmer will uns das aber leider nicht richtig gelingen. Noch zehn Tage soll unser malträtiertes Auto durchhalten….wir schaffen es noch, ein lecker kühles Radler zu trinken, zur Fahrerbesprechung die wenigen Änderungen ins Roadbook zu übertragen und fallen dann ins Zelt. Dessen Aufbau fiel uns schwer, mit unseren Kräften sind wir an diesem Tag nicht grad schonend umgegangen. Der Schlaf ist unruhig und wenig erholsam, sicher nicht nur wegen der Nähe zum campeigenen Notstromaggregat.

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Dienstag 25.10.2016

7;00Uhr klingelt der Wecker, wir quälen uns aus den Schlafsäcken und ich stelle entsetzt fest, dass ich die komplette Waschtasche im Hotel vergessen habe. Absolute Panik….ohne Zahnbürste geht gar nichts! Ausgerechnet jetzt, wo wir reichlich Sand zwischen die Zähne bekommen werden. Großartig Zeit bleibt zum Jammern nicht, denn bald nach dem Frühstück geht es an den Start zum 230km langen Rundkurs um Ksar Ghilane.

Wir blicken relativ entspannt auf den kommenden Tag, Sebastian konnte am gestrigen Abend noch einiges am Wagen richten. Traurig ist allerdings, dass von den vielen eigentlich gemeldeten Teilnehmern nur noch ca. 8 Teams übriggeblieben sind. Das ist recht überschaubar.

Einschub: Im Rückblick war das mit den wenigen Teilnehmern eigentlich gar nicht so schlimm. Zumindest zwischenmenschlich nicht. Man kam sich näher, die Gespräche waren intensiver, Freundschaften auf Zeit bildeten sich….und keiner, auch die Erfahrenen waren sich zu fein, uns Newbies mit Tipps zu füttern.

Nach Check des Explonasystems und der Trackingbox geht es am Monument los. Alle sind heiß auf´s Fahren und starten mit dickem Staubschweif. Bei uns klappt das nicht so gut, wir tuckern einfach los ;o) 
Es geht über 12 km Piste, dann biegen wir in die Dünen ab, die höher als die gestrigen sind. Es fällt uns schwer, einen für das Auto sinnvollen Weg zu finden und flüssig zu fahren. So beschließen wir nach einigen Wegpunkten, dem Wagen und unserer restlichen Rallyezeit zuliebe, am Rand des Dünengürtels entlangzufahren und den nächstgelegenen GPS-Punkt auf der Piste zu erreichen. Das gibt Strafzeit, doch die nehmen wir in Kauf. Besser, als mit kaputtem Wagen geborgen werden zu müssen. Die Rallye läuft ja auch noch ein paar Tage.

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Die vielen folgenden Kilometer Kamelgras-Hoppeldünen reichen vorerst, um Erfahrungspunkte zu sammeln und sich richtig durchschütteln zu lassen. Wir erreichen problemlos die Piste und folgen nun wieder dem Roadbook auf 120km. Unspektakulär erreichen wir den Ausstiegspunkt. Dort haben wir mit 6 Stunden schon eine Stunde Verspätung zu unserer TTC (timetocontinue) und fahren nun noch 30km über verwehte Pisten in die Oase zurück. Dort hören wir uns unter unseren Mitstreitern um und erfahren, dass der Sand wohl recht schwer fahrbar, weil sehr soft, ist. Wir haben keinen Vergleich und müssen das so glauben. Die Rallyequeen hat Probleme mit dem Wagen und der Motorradfahrer fährt auf Sparflamme.

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Am späten Nachmittag legt sich Sebastian in die Quelle, checkt dann den Niva durch und später pflegen wir unsere neu erworbenen sozialen Kontakte.

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Mittwoch 26.10.2016    

Unter anderem dem schwer fahrbaren Sand geschuldet, wurde die Dünenpassage für heute gestrichen. Daher starten wir erst gegen halb zehn. Zu fahren ist heute wieder ein Rundkurs um Ksar Ghilane, diesmal 280km.                                                                                                                                                                      

Einschub: Die ganz ursprünglich geplante Streckenführung nach El Borma mußte aufgegeben werden. Ob es nun an Sicherheitsfragen oder anderen unerfüllten/unerfüllbaren Absprachen scheiterte….der Veranstalter wird schon richtig entschieden haben.

Wir sind jedenfalls für heute nicht ganz böse über die fehlenden Dünen, zumal wir beim Frühstück erfahren haben, dass die G-Klasse seit gestern Morgen im Sand verschollen ist. Das letzte Signal vom Sicherheitssystem kam aus dem Ersten der zu fahrenden Dünengürtel. Ohne Signal weiß natürlich nun auch keiner, ob die Teilnehmer weitergefahren sind, oder feststecken, was überhaupt für ein Problem besteht. Im schlimmsten Fall können sie den Notruftaster gar nicht drücken…. Die Nachtwache, drei Orgafahrzeuge, warteten auf Sichtung der Signalraketen, um den Standort der Gestrandeten eingrenzen zu können. Auch das ohne Erfolg, kein rotes Licht in der Dunkelheit. Die Stimmung ist demzufolge etwas gedämpft. Sollte nur ein technischer Defekt vorliegen, sind zu große Sorgen unbegründet, denn alle Fahrzeuge müssen eine Notration an Wasser und Nahrungsmitteln mitführen. Nun heißt es also auf Lebenszeichen warten und weitersuchen. Eddie, der Orga-Mann auf dem Motorrad ist unterwegs in den Dünen, er ist schneller und wendiger als die Geländewagen.

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Wir befinden uns also auf dem Weg, größtenteils Holperstrecke, mehr oder weniger breite Pisten durch leicht bergiges Land. Wir können Olivenhaine und die dazugehörigen Wasserbeschaffungsmethoden bestaunen. Der Wunsch wächst, diese Landschaft einmal bei Regen zu erleben. Es muß gigantisch sein, wenn die vielen, mitunter zig Meter breiten Queds Wasser führen. Die wenige Vegetation kann den sandigen Boden, der meist auf Fels aufliegt, kaum halten, wenn von den Anhöhen das Wasser zusammenfliesst. So entsteht offenbar nach jedem Niederschlag ein mitunter völlig anderes Lanschaftsbild.

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Und durch diese teilweise sehr stufigen, ausgetrockneten Queds muß nun der Niva gelenkt werden. Im Roadbook sind diese Senken, je nach Schwierigkeitsgrad, mit entweder keinem oder mit bis zu drei Ausrufezeichen gekennzeichnet. Anfangs wundern wir uns manchmal über die Einordnung. Doch wenn wir uns vorstellen, dass die wesentlich schnelleren Fahrzeuge der anderen Mitstreiter ungebremst in so eine Stufe brettern……nicht erstrebenswert. Wir dagegen rollen relativ gemächlich durch die Vorgabestrecke, so dass wir theoretisch mehr Kilometer als die anderen auf dem Zähler stehen haben sollten….denn wir haben ja ständig Bodenkontakt…die anderen lassen es eher mal fliegen ;o)

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So geht es bis Kilometer 130, dort befindet sich der Exitpunkt und wir fahren auf der Ausstiegsstrecke zur Oase zurück. Unglaublich, diese breiten Pisten, ständig zweigen Nebenstrecken ab und man fragt sich angesichts des unendlichen Horizonts, wo sie wohl hinführen. Es wird mit der Zeit recht öde, diese Geradeausfahrt. Man läuft Gefahr unaufmerksam zu werden, was unvorteilhaft ist, denn die glatt erscheinende Ebene ist trügerisch und wartet spontan mit Bodenwellen und rollenden Steinen auf. Und plötzlich sind wir tatsächlich wieder hellwach, denn ein unanständiges Klopfen ertönt vom Unterboden. Wir schieben ja solche Geräusche gerne erst einmal auf bewegliche Teile im Innenraum, aber nach ein paar Kilometern verortet Sebastian das Störgeräusch auf vorn rechts. Die Stoßdämpferaufnahme hat das Gerüttel nicht mehr ausgehalten und den Stoßdämpfer freigegeben…..ziemlich doof. Der Dämpfer wird ausgebaut und wir fahren noch langsamer die restlichen 15km.

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Angekommen im Camp, beanspruchen wir den Servicetruck, genauer gesagt den Oskar und den Martin. Die Aufnahme wird geschweißt und bei der Gelegenheit beide Seiten gleich etwas verstärkt. Das Problem ist also recht schnell gelöst, wir gehen in der warmen Quelle baden, machen ein paar Fotos beim Sonnenuntergang in den Dünen und sorgen uns um die am Tag schon eingesetzten Rückenschmerzen von Sebastian.

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